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Pyruvatkinase-Defizienz und Anämie


Anämie ist eine Krankheit, die durch einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erzythrozyten) und
Blutfarbstoff (Hämoglobin) auftritt. Sie ist eine bei Katzen relativ häufig auftretende Krankheit
und äußert sich durch unspezifische Symptome wie Schwäche, Fressunlust und Apathie.
Auch können blasse oder gelblich verfärbte Schleimhäute, Blutungen oder auch das
Fressen von Katzenstreu erste Anzeichen einer Anämie sein.

Es gibt verschiedene Gründe für eine Anämie. Dies können z. B. akuter Blutverlust nach
Aufnahme von Rattengift, nach einem Unfall, sowie ein Mangel an Blutplättchen bei
Infektionskrankheiten wie z. B. FeLV oder FIV sein. Auch kann ein
chronischer Blutverlust durch den Magen-Darm-Trakt, ein möglicher Parasitenbefall oder eine
chronische Blasenentzündung der Auslöser für eine Anämie sein. Eine häufige Ursache
sind Störungen der Erythrozytenbildung im Knochenmark bei
schweren Nierenerkrankungen, Entzündungen, Tumoren oder Immunerkrankungen.

Eine weitere Gruppe bezeichnet man als sogenannte hämolytische Anämie. Hierbei ist die
normale Lebenszeit der roten Blutkörperchen, die bei Katzen ca. 70 Tage beträgt, deutlich
verringert. Hämolytische Anämien können u.a. dadurch entstehen, dass der Körper Antikörper
gegen seine eigenen Blutkörperchen produziert. Auch Infektionskrankheiten durch Blutparasiten,
FeLV oder FIP, Vergiftungen oder schwere Stoffwechselentgleisungen können Ursache für
diese Art von Anämie sein.

Eine weitere Ursache ist, besonders bei Abessiniern und Somalis, eine vererbbare
Erythorzytenstörung wie die “erhöhte osmotische Fragilität” und die “Pyruvatkinase-Defizienz“.
Bei der “erhöhten osmotischen Fragilität” handelt es sich vermutlich um eine Membranstörung
der Erythrozyten, die dazu führt, dass die roten Blutkörperchen sehr anfällig sind. Diese
Erkrankung ist schwer zu diagnostizieren, da es hierfür noch keinen Gen-Test gibt.
Glücklicherweise gibt es diesen für die Pyruvatkinase-Defizienz. Pyruvatkinase-Defizienz
(PK-Defizienz oder PK-def. bzw. im deutschen PK-Mangel) ist eine vererbbare Enzymstörung
bei der den Erythorzyten (roten Blutkörperchen) das Pyruvat-Kinase-Enzym, das für die
Energiegewinnung der Erythrozyten notwendig ist, fehlt. Dadurch wird die durchschnittliche
Lebenszeit der Erythrozyten, die normalerweise circa 70 Tage beträgt, stark verkürzt. Erkrankte
Katzen können neben immer wieder auftretenden Phasen von akuter Anämie auch an schweren
hämolytischen Krisen mit Gelbsucht und Fieber erkranken. Bei Tastuntersuchen fällt gelegentlich
eine stark vergrößerte Milz auf. Eine spezifische Therapie gibt es für die PK-Defizienz bisher
leider nicht. Zeigt ein erkranktes Tier eine akute schwere Form der Anämie kann eine
Bluttransfusion lebensrettend sein. Hierzu ist unbedingt eine Blutgruppenbestimmung
notwendig. Da hämolytische Krisen auch durch Stress ausgelöst werden können, ist dieser
für das Tier unbedingt zu vermeiden. In schweren Krankheitsfällen kann die Entfernung
der Milz in Betracht gezogen werden, da in diesem Organ vorwiegend die roten Blutkörperchen
abgebaut werden.

PK-Mangel wird rezessiv vererbt. Dies bedeutet, eine Erkrankung ist nur möglich, wenn ein
Tier zwei mutierte (kranke) Gene trägt. Ein Tier kann also nur an Pyruvatkinase-Defizienz
erkranken, wenn es sowohl vom Vater- als auch Muttertier das kranke PK-Gen geerbt hat. Tiere,
die von einem Elternteil das mutierte und vom anderen Elternteil das normale Gen
vererbt bekamen, bleiben symptomlos, d. h. sie erkranken nicht, können das kranke Gen
aber weitervererben. Sie werden als Träger oder Carrier bezeichnet.

Der Krankheitsverlauf von erkrankten Katzen, (also Tiere die von beiden Elternteilen das
kranke Gen vererbt bekamen), kann sehr unterschiedlich verlaufen. Es gibt Tiere, die bereits
im Alter von einigen Monaten die Symptome einer Anämie
zeigen oder plötzlich nach einer Operation oder Krankheit sterben, andere können mit
einer leichten Form von Anämie recht alt werden, weil der Erythrozytenabbau sehr langsam verläuft.

Der Gen-Test für PK-Mangel wurde zuerst nur in der School of Veterinary Medicine, University
of Pennsylvania durchgeführt. Inzwischen können auch deutsche Labore diesen Test durchführen.
Man benötigt dort ca. 2 ml EDTA-antikoaguliertes Blut.

Weitere Informationen können eingeholt werden bei:


LABOKLIN GmbH & Co. KG, Dr. Dr. Elisabeth Müller, Steubenstraße 4, 97688 Bad Kissingen,
 Tel. 0971-72020, mueller@laboklin.de, www.laboklin.de

PD Dr. B. Kohn, Klinik für kleine Haustiere, FU Berlin, Oertzenweg 19 b, 14163 Berlin,
Fax. 030 838 62 521, kohn@vetmed.fu-berlin.de

Prof. Dr. U. Giger, School of Veterinary Medicine, University of Pennsylvania, 3850 Spruce Street, Philadelphia,
PA 19104-6010, USA, Fax 001 215 5732162 www.vet.upenn.edu/penngen

 

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update: 14.10.2016